Joost Beta – ein kleiner Einblick

Joost Beta - ChannelsJoost (sprich dschust/’juiced‘) soll – wie so vieles heutzutage – eine echte Revolution bringen. Die des Fernsehens.
Heute ist also meine Einladung zur Testversion angekommen. Soviel schon zuvor: Meine anfängliche Enttäuschung hat sich bei näherem Hinsehen nicht bestätigt.

Wer ist eigentlich dieser ominöse Joost?
Kurz: Joost ist so etwas ähnliches wie Fernsehen über’s Internet. Einen Hauch länger (für die etwas technisch versierteren): Joost ist eine XUL-Basierte Anwendung, die versucht, dem Benutzer auf Anforderung seine Lieblingsfilme und Fernsehshows über ein P2P-Netz zur Verfügung zu stellen. Dabei wird für die Videokomprimierung auf H.264 gesetzt. Die Benutzer können untereinander über Jabber schnacken. Das klingt schonmal sehr vielversprechend, weshalb ich mich ja auch angemeldet habe. (Mehr technische Infos wie immer im Wiki der Wikis)

Installation: der erste Eindruck
Als die Email hereinflatterte, Joost hätte seine Betatestphase erweitert und ich sei jetzt auch herzlich eingeladen, erinnerte ich mich: Ach, genau, das P2P-TV mit ’nem Linux Client. Also wurde schnell der Downloadlink angeklickt, während in den Augen ein wenig Neugierde funkelte. Die erste Enttäuschung: der Download zeigte auf eine .exe Datei. Die Installation über WINE klappte jedoch problemlos, bis es ans starten des Programmes selbst ging. Keine Chance. Die Linux-Version ist aber schon (oder besser: noch) in Vorbereitung. Also musste für’s erste Windows gestartet und die Installationsdatei per YAReG auf den Desktop kopiert werden, schlie?lich verliert der Beta-Downloadlink nach dem ersten Versuch seine Gültigkeit. Die Installation ging, wie gewohnt, schnell und beim ersten Programmstart grü?te mich ein sehr professionelles Intro-Video.

Das Programm: der zweite Eindruck
Joost Beta - Play Der zweite Eindruck kann mit einem Wort beschrieben werden: Ruckeln. Ton, Bild und Mauszeiger veranstalteten ein Hüpfkonzert erster Güte, was ich mit kaum zu Unterdrückender Enttäuschung auf meinen inzwischen als „altes Eisen“ zu bezeichneten Athlon XP 1800+ und auf die Beta-Version schob. Tatsächlich waren es allerdings Firefox und Joost, die sich im Kampf um die Vorherrschaft bei den CPU-Zyklen die Köpfe eingeschlagen haben; Das Schlie?en der flashlastigen Joost-Homepages-Tabs wirkte Wunder.

Die Grafische Oberfläche des Programms ist verspielt, es wird nicht an Fade-In, Fade-Out und Slide-Effekten gespart. Nicht performant, aber schön anzusehen. Zuerst verwirrt die muntere Kombination aus zweifarbig-minimalistischen und scheinbar gerenderten RGB-Icons im SVG format, die Tooltips helfen aber sich zurecht zu finden, obwohl die typischen Symbole, die auf jeder Stereoanlage zu finden sind, die einzigen Intuitiv zu verstehenden Symbole sind.
Insgesamt lässt sich das Programm nach kurzer Gewöhnung sehr gut bedienen, die Aufteilung und Schriftgrö?e ist meines Ermessens sehr an ein normales Media-Center angelehnt, weshalb es sich sicherlich auch sehr gut für einen WohnzimmerPC eignet. Mit Wiimote, versteht sich.

Manchmal wirkt das automatische OSD etwas hakelig, man wei? nie, wann es genau sichtbar wird, ich schätze jedoch, dass es irgendwas mit der Mausposition und/oder einfachem Klicken zu tun hat.

Die verfügbaren Sendungen sind in mehrere „Kanäle“ gegliedert und können alle Abgerufen werden. So schaue ich juste in diesem Moment den Anfang der ersten Folge von Total Recall 2070 und könnte mir vorstellen, alle 17 verfügbaren zu sehen, wenn sich die Zeit findet. Die Videoqualität ist bisher bis auf die Bildwiederholfrequenz recht gut, was aber wohl auch an der gro?zügigen Prozessorauslastung zu liegen scheint. Immerhin handelt es sich ja auch um eine Beta, was ja durchaus Performanzgewinnaussichten zulässt.

Die Bandbreitenauslastung war bei meinem Initialtest zwischen einem und 2 Mbit, wobei sie sich danach knapp unter 100KB/s eingependelt hat.

Fazit:
Für den anglophilen Medienjunkie lohnt sich ein Test schon jetzt, besonders wenn ein schneller Rechner bereit steht. Die Auswahl an bisher erhältlichem Material beschränkt sich zwar auf ein Minimum, zumeist ist es irgendwelcher Blödsinn wie Wrestling, Poker oder „der stärkste Mann der Welt“-Sportberichte, aber es gibt selbst in der Beta einige Perlen wie den IndieFlix Kanal oder oben erwähnte Science Fiction zu entdecken.

Leider habe ich keine „Invites“ zu meiner Einladung dazubekommen, wenn sich das ändert, verteile ich sie natürlich gerne.

2 Antworten auf “Joost Beta – ein kleiner Einblick”


  1. 1 Schnei, der 25. Apr 2007 um 21:20

    AHA – der Herr Zennström mal wieder?!
    Bin grad auf http://www.sueddeutsche.de über einen Artikel gestolpert der sich zwar weniger mit Joost im eigentlichen dafür aber mehr mit dem, wohl ganz interessanten, Kopf dahinter beschäftigt: Niklas Zennström.

  1. 1 Joost ‘public’ Beta auf netzpfade nerdkolumne Pingback on 9. Mai 2007 um 14:41

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